Was wir dachten was wir taten - Lea-Lina Oppermann zu Gast an der Mathias-von-Flurl-Schule

„Fünfter Wunsch. David, gib Jill deinen BigMac zu essen! Was für ein strohdummer Wunsch! Vor Erleichterung hätte ich beinahe gelacht. Alle Haare abschneiden. Der Schuss. Dagegen war einen BigMac essen doch richtig harmlos."

Klingt seltsam banal, oder? Als Lea-Lina Oppermann diese Zeilen aus ihrem Debütroman „Was wir dachten was wir taten" ca. 90 Schülerinnen und Schülern der Mathias-von-Flurl-Schule vorliest, hebt so mancher Gast verwundert eine Augenbraue. Das soll wirklich einer der zehn Wünsche sein, die der Täter von seinen Opfern verlangt? Kurios.

Bei dem Täter handelt es sich um einen maskierten Amokläufer, der (Horrorvorstellung für jede Lehrerin bzw. jeden Lehrer und jede Schülerin bzw. jeden Schüler!) ins Klassenzimmer eindringt und mit geladener Pistole Aufgaben in schriftlicher Form diktiert. Das besondere an diesen Aufgaben ist, dass sie erbarmungslos die Geheimnisse aller an die Oberfläche zerren;  der Täter scheint nämlich nicht nur über die gruppendynamischen Prozesse sondern auch über jedes einzelne Individuum genauestens informiert zu sein. Arroganz, Diebstähle, Mitläufertum, Lügen – hinter sorgsam gepflegten Fassaden tun sich Abgründe auf.

Die 20-jährige Sprechkunst- und Kommunikationspädagogikstudentin wirkt zu Beginn ihrer Lesung etwas nervös. Sie habe noch nie vor gleichaltrigen Jugendlichen eine Lesung gehalten. Keine drei Sekunden später verwandelt sich ihre Nervosität in Selbstsicherheit. Mit fester Stimme und fesselndem Tonfall liest sie die ersten Zeilen ihres Romans, es scheint als ob sie das Erzählte miterleben würde. Mindestens ebenso gefesselt sind die Zuhörer: fünf Klassen der Mathias-von-Flurl-Schule aus verschiedenen Fachbereichen sind mit ihren Lehrerinnen und Lehrern anwesend und lauschen der gleichaltrigen Autorin, die vorne auf der Bühne immer wieder zwischen drei Stühlen und stehenden Positionen wechselt. Ihr erster Roman, den sie im respektablen Alter von 16 Jahren anfing zu schreiben, wird nämlich aus drei Perspektiven erzählt. Da ist einmal Mark, der eher als Außenseiter fungierte, sich im Laufe der Handlung allerdings deutlich entwickelt. Dann gibt es noch die Musterschülerin Fiona und den Mathelehrer Herrn Filler, der zwischen Aggression und Passivität schwankt. Inspiriert wurde die junge Autorin damals bei einem Fehlamokalarm im Philosophieunterricht an ihrer Schule. Noch bevor die Schülerin an diesem Tag nach Hause kam, war die grobe Idee der Handlung geboren.

Die Lesung fand im Rahmen des White Ravens Festivals, das von der Internationalen Jugendbibliothek unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst im Sommer 2018 zum fünften Mal veranstaltet wurde, statt. Vom 14. bis 19. Juli 2018 schwirrten Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland in alle Teile Bayerns aus, um aus ihren Kinder- und Jugendbüchern zu lesen, Workshops und Schreibwerkstätten zu leiten und über ihre Arbeit zu sprechen. Das Festival bietet vor allem Raum für innovative Literatur und schlägt mit deutschen und internationalen Programmpunkten eine Brücke zwischen den Kulturen. Die Autorinnen und Autoren werden jeweils von einem Mitarbeiter bzw. einer Mitarbeiterin bei ihren Lesungen begleitet. Lea-Lina Oppermanns Lesung wurde von der Münchner Autorin und Übersetzerin Barbara Lehnerer moderiert. Diese stellte der jungen Autorin während der Lesung bereits Fragen zur Genese des Buches, der Erzählperspektive etc. und versuchte von Anfang an die Schülerinnen und Schüler der Mathias-von-Flurl-Schule mit in die Diskussion einzubinden. Letztere hatten jedoch vor allem nach der Lesung so zahlreiche Fragen, dass dies zu einem Selbstläufer wurde und letztendlich nur vom Gongschlag beendet werden konnte.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Oppermann für diese spannende Lesung und wünschen ihr alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg!

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