Steuerfachangestellte/r

Die Tätigkeit im Überblick

Steuerfachangestellte sind die qualifizierten Mitarbeiter der Steuerberater in Einzelkanzleien und Steuerberatungsgesellschaften. Sie unterstützen den Steuerberater bei der steuerlichen Beratung der Mandanten aus Industrie, Handwerk, Handel, dem Dienstleistungsbereich sowie von Freiberuflern und Privatpersonen.

Die wesentlichen Aufgaben sind

  • Erstellen der Finanzbuchführung
  • Lohn- und Gehaltsabrechnungen
  • Vorbereiten von Jahresabschlüssen
  • Bearbeiten von Steuererklärungen
  • Prüfen von Steuerbescheiden
  • Auskünfte an Mandanten.

Der Beruf des Steuerfachangestellten bietet einen interessanten und sicheren Arbeitsplatz mit vielfältigen Perspektiven.

 

Die Ausbildung im Überblick

Im ersten Ausbildungsjahr besuchen die Auszubildenden an zwei Tagen in der Woche die Berufsschule, im zweiten und dritten Ausbildungsjahr an jeweils einem Tag.

Ausbildungsinhalt sind v.a. die folgenden Fachgebiete:

  • Steuerlehre  (Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Abgabenordung)
  • Rechnungswesen
  • Allgemeine Wirtschaftslehre (v.a. Wirtschaftsrecht)

Die vermittelten Inhalte ergeben sich im Einzelnen aus dem Lehrplan für Steuerfachangestellte.

Lehrplan Steuerfachangestellte

 

Am Ende des ersten Ausbildungsjahres findet die Zwischenprüfung statt, am Ende des dritten Ausbildungsjahres die Abschlussprüfung in den Fächern Steuerwesen (150 Min.), Rechnungswesen (120 Min.)  und Wirtschafts- und Sozialkunde (90 Min.) sowie mündlich im Fach mandantenorientierte Sachbearbeitung.

Erster Kooperationstag der OTH Regensburg und der Mathias-von-Flurl-Schule

Informationsveranstaltung zu „Studieren nach der Ausbildung" und Vorträge in den Fachklassen

 

Impressionen vom ersten Kooperationstag mit den Vorträgen von Prof. Dr. Claus Koss und den Informationsveranstaltungen der Zentralen Studienberatung der OTH Regensburg durch Katrin Liebl und Kathrin Pentner.

Seit Ende 2017 kooperiert die Mathias-von-Flurl-Schule mit der OTH Regensburg. Im Rahmen der Kooperation wurden unter anderem Vorträge von Professoren in Fachklassen der Berufsschule vereinbart. Diese Vereinbarung nun wurde nun in die Tat umgesetzt. Schulleiter Werner Kiese und der zuständige Koordinator Michael Hien freuten sich über den Besuch hochkarätiger Gäste aus den Reihen der OTH Regensburg.

Prof. Dr. Claus Koss von der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der OTH Regensburg referierte in den Fachklassen für Bankkaufleute, Kaufleute im Gesundheitswesen und bei den angehenden Steuerfachangestellten.

Koss zeigte von Beginn an, dass er sich nicht nur als Referent sieht, sondern als Lehrenden, der die Interaktion mit seinem Schülerpublikum lebt. So stellte er den angehenden Bankkaufleuten die Bank „Monte die Pasci" vor, die vor drei Jahren Schlagzeilen machte, weil sie den europäischen Banken-Rettungsschirm beantragt hatte. Anhand einer ausführlichen Analyse der Bilanz dieser Bank zeigte Koss auf, dass die Probleme frühzeitig erkennbar waren. Die Schüler kennen aus dem Fachunterricht die verschiedenen verwendeten Kennzahlen und konnten sie passend interpretieren. Koss spannte einen weiten Bogen über BASEL III, über die Gefahr eines „Bank-run", der Fristentransformation hin zu einer Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung.

Der nächste Vortrag führte Prof. Koss in die Fachklasse für Gesundheitskaufleute. Er ging dabei auf die Besteuerung von Leistungen im Gesundheitswesen ein und zeigte die Wichtigkeit der Kostenstellenrechnung auf. Anschaulich erarbeitete er mit den Schülern Beispiele verschiedener Kostenstellen und Kostenträger in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Steuerrecht aus der Praxis – so lautete der Titel des Vortrags am Nachmittag in der Steuerfachklasse 11.

Koss ging zu Beginn auf einen kürzlich erschienenen Artikel in der Süddeutschen Zeitung („Stirbt der deutscheste aller Berufe aus?") ein, der gravierende Änderungen auf die steuerberatenden Berufe zukommen sieht. Koss sieht in der Digitalisierung eine Chance für Veränderungen. So wird die Arbeit der Steuerfachangestellten in Zukunft mehr auf Analyse und betriebswirtschaftliche Beratung ausgelegt sein.

Anschließend zeigte Prof. Koss verschiedene betriebswirtschaftliche Problemstellungen anhand einer Bilanzanalyse auf. Einer der bekanntesten Fälle ist dabei sicherlich die Verbuchung von „Bestechungsgeldern" im Rahmen der Vergabe der Fußball-WM 2006. Koss zeigt auf, dass das Grundproblem darin liegt, dass in der Finanzbuchhaltung Gelder als „sonstiger betrieblicher Aufwand" deklariert wurden. Dieser Aufwand stellt steuerrechtlich „nicht abzugsfähige Betriebsausgaben" dar. In der Steuerklärung des DFB wurden diese jedoch als „abzugsfähige Betriebsausgaben" angegeben. Dies stellt einen Fall von Steuerhinterziehung dar.

Das Prinzip „Going concern" (Prüfung bei jedem Jahresabschluss: Ist von einer Fortführung des Unternehmens auszugehen?) wurde im Anschluss anschaulich am Beispiel der insolventen Drogeriemarktkette „Schlecker" geschildert.

Zuvor hatten bereits Dipl.-Sozialpäd. Katrin Liebl und Kathrin Pentner von der Allgemeinen Studienberatung der OTH Regensburg das Studienangebot und die Zulassungsvoraussetzungen vorgestellt. Sie gingen dabei vor allem auf die Möglichkeiten für Absolventen mit abgeschlossener Berufsausbildung ein. In allen Studiengängen werden für beruflich qualifizierte Bewerber Studienplätze geblockt, die unabhängig von den restlichen Studienplätzen vergeben werden. Die Schüler nutzen das Angebot für ein Vielzahl an Fragen und freuten sich über das zur Verfügung gestellte Informationsmaterial.

Dieser Kooperationstag soll nur als Auftakt einer engen Beziehung zwischen Mathias-von-Flurl-Schule und OTH stehen. Darauf wies Schulleiter und OStD Werner Kiese bei seiner Begrüßung hin. Dies zeigt auch die Tatsache, dass bereits Anfang Juni erste Vorträge von Professoren der OTH an der Mathias-von-Flurl-Schule angeboten wurden. Der Kooperationstag ist die logische Fortsetzung und bot vielen Schülern die Möglichkeit an Veranstaltungen und Vorträgen teilzunehmen.

Prof. Dr. Claus Koss von der OTH Regensburg zu Gast bei der Steuerfachklasse 12 der Mathias-von-Flurl-Schule

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Am Ende des Vortrags bedankten sich bei Referent Prof. Dr. Claus Koss (OTH Regensburg, 2.v.l.) die Lehrkräfte StD Ingrid Vandieken (Fachbetreuerin, 3.v.l.) und StR Michael Hien (Koordinator Duales Studium, 1.v.l.), sowie die Klassensprecherinnen der Fachklasse ST12.

Seit Ende 2017 kooperiert die Mathias-von-Flurl-Schule mit der OTH Regensburg. Im Rahmen der Kooperation sind unter anderem Vorträge von Professoren in Fachklassen der Berufsschule vorgesehen.

Steuerrecht aus der Praxis – so lautete der Titel eines ganz besonderen Nachmittags in der Steuerfachklasse 12. Auf Einladung von Fachbetreuerin StD Ingrid Vandieken und dem Koordinator für das Duale Studium StR Michael Hien war Prof. Dr. Claus Koss (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der OTH Regensburg) zu Gast an der Mathias-von-Flurl-Schule.

 

Von der „Verbuchung schwarzer Kassen" bis zum Schlecker-Fall

Koss ging zu Beginn auf einen kürzlich erschienen Artikel in der Süddeutschen Zeitung („Stirbt der deutscheste aller Berufe aus?") ein, der gravierende Änderungen auf die steuerberatenden Berufe zukommen sieht. Koss sieht in der Digitalisierung eine Chance für Veränderungen. So wird die Arbeit der Steuerfachangestellten in Zukunft mehr auf Analyse und betriebswirtschaftliche Beratung ausgelegt sein.

Anschließend zeigte Prof. Koss verschiedene betriebswirtschaftliche Problemstellungen anhand einer Bilanzanalyse auf. Einer der bekanntesten Fälle ist dabei sicherlich die Verbuchung von „Bestechungsgeldern" im Rahmen der Vergabe der Fußball-WM 2006. Koss zeigt auf, dass das Grundproblem darin liegt, dass in der Finanzbuchhaltung Gelder als „sonstiger betrieblicher Aufwand" deklariert wurden. Dieser Aufwand stellt steuerrechtlich „nicht abzugsfähige Betriebsausgaben" dar. In der Steuerklärung des DFB wurden diese jedoch als „abzugsfähige Betriebsausgaben" angegeben. Dies stellt einen Fall von Steuerhinterziehung dar.

Das Prinzip „Going concern" (Prüfung bei jedem Jahresabschluss: Ist von einer Fortführung des Unternehmens auszugehen?) wurde im Anschluss anschaulich am Beispiel der insolventen Drogeriemarktkette „Schlecker" geschildert. Dabei steht die Frage im Raum, ob die Unternehmensleitung bei der Bilanzierung tatsächlich von einer Weiterführung des Unternehmens ausgehen konnte oder die drohende Insolvenz hätte erkennen müssen. Bei einer drohenden Insolvenz ist nämlich nicht mehr von einem „going concern" auszugehen, sodass die Bilanzierung der Vorräte nicht mehr zu Anschaffungskosten sondern zu Zerschlagungswerten erfolgen muss.

Es schloss sich eine ausführliche Fragerunde an, bei der jeder Schüler mindestens eine Frage stellen musste. Viele Fragen zielten auf Weiterbildungsmöglichkeiten ab. Koss stellte dabei den neueingeführten Weiterbildungslehrgang „Fachassistent Rechnungswesen und Controlling" vor.

 

StR Michael Hien

Duales Studium bei den Steuerfachangestellten - Kooperationsvertrag Mathias-von-Flurl-Schule und OTH Regensburg

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Von links: Schulleiter OStD Werner Kiese, Prof. Dr. Claus Koss (OTH-Regensburg), Dr. Paul Peter Kern (Vertreter der Steuerberater), Koordinator für das Duale Studium StR Michael Hien, Fachbetreuerin StDin Ingrid Vandieken, OStR Oliver Gebhard

 

Die Berufsschule Straubing und die OTH Regensburg kooperieren bei der Ausbildung von Steuerfachangestellten. Ab dem nächsten Ausbildungsjahr werden Auszubildende neben der Berufsausbildung an der Regensburger Hochschule studieren können. Vertreter der Mathias-von-Flurl-Schule stellten das Projekt „Duales Studium" an der staatlichen Berufsschule II Straubing-Bogen vor.


Im Rahmen der Kooperation absolvieren die jungen Erwachsenen im ersten Jahr eine klassische Ausbildung zum Steuerfachangestellten (jede Woche 3 Tage Betrieb, 2 Tage Berufsschule). Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr steht nur noch ein Berufsschultag pro Woche auf dem Stundenplan. Die restliche Zeit wird durch betriebliche Praxis und Hochschulstudium (BWL) gefüllt. Nach Abschluss der Ausbildung zum Steuerfachangestellten (3 Ausbildungsjahre) erfolgen weitere betriebliche Praxis und die Bachelorarbeit. Nach viereinhalb Jahren sind Berufsausbildung und Hochschulstudium abgeschlossen. Diese Qualifikation ermöglicht einen schnellen Zugang zur Steuerberaterprüfung.

„Früher gingen die Leute zum Pfarrer, heute gehen sie zum Steuerberater", erzählt Professor Claus Koss (OTH Regensburg) von den Beobachtungen eines Pfarrers in seiner Verwandtschaft. Nach der Geburt kommt die Frage nach dem Kindergeld, dann geht es um die Lohnsteuer, bei der Heirat um das Ehegattensplitting und nach dem Tod kommt die Erbschaftsteuererklärung. Die Arbeit in der Steuerberatung ist umfassender und vielfältiger geworden. Studienrat Michael Hien (Mathias-von-Flurl-Schule) stimmt dem zu: „Schon die Ausbildung in der Berufsschule ist breit aufgestellt", verweist er auf Vielzahl der Inhalte. Neben der kaufmännischen Grundausbildung müssen die Auszubildenden in der Berufsschule beispielsweise Buchführung nach Handels- sowie Steuerrecht lernen. Dazu kommen Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Grundlagen vieler anderer Steuern. „Selbst grenzüberschreitende Transaktionen sind nach Abschluss der Berufsschule kein Problem", betont Studiendirektorin Ingrid Vandieken, die zuständige Fachbetreuerin der Berufsschule.

Der Schulleiter der Staatlichen Berufsschule II Straubing-Bogen, Oberstudiendirektor Werner Kiese, hebt zudem den Wert der allgemeinbildenden Fächer an der Berufsschule hervor: „Gute Kenntnisse in Deutsch brauche jeder in der Kanzlei. „Wenn schon das Anschreiben voller Rechtschreibfehler ist," so sagte er beim Gespräch in Straubing, „wird der Mandant auch dem fachlichen Inhalt misstrauen." Im Hinblick auf andere Fächer in der Berufsschule wie Sozialkunde ergänzt sein Stellvertreter in der Schulleitung, Oberstudienrat Oliver Gebhard schmunzelnd: „Ein Steuerberater sollte schon wissen, wer die Steuergesetze macht."

Schulleiter Kiese sieht in der geplanten Kooperation mit der Hochschule den Wert der Berufsschulbildung unterstrichen. „Wir vermitteln die Basiskompetenzen, damit haben die Auszubildenden gute Grundlagen für einen erfolgreichen Start in den Beruf."

Dem Koordinator für das Duale Studium an der Mathias-von Flurl-Schule, Michael Hien, geht es vor allem um den regionalen Aspekt: „Wer qualifizierte Mitarbeiter in der Region halten will, muss diese auch in der Region qualifizieren." Durch die Berufsausbildung in den Kanzleien und in der Berufsschule, kombiniert mit dem Hochschulstudium in Regensburg, könnten die künftigen Steuerspezialisten in Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen bleiben.

Der Verband der Steuerberater (LSWB) engagiert bereits seit Längerem für das Duale Studium. Der Leiter des örtlichen LSWB, der Straubinger Steuerberater, Dr. Paul Peter Kern, begrüßt die zusätzliche Möglichkeit einer weiteren Qualifikation. „Es muss viele Wege in der Steuerberatung geben", ist seine Überzeugung. Ihm gefällt besonders die Kombination von Berufsausbildung und betriebswirtschaftlichem Studium. „Steuerberater sind heute mehr denn je die ersten Ansprechpartner ihrer Mandanten, nicht nur in steuerlichen Fragen", so Dr. Kern. Betriebswirtschaftliche Beratung sieht er als das Arbeitsfeld der Zukunft. Bereits bei der steuerlichen Beratung müsse der Berater immer überlegen, „rechnet sich das auch betriebswirtschaftlich?"

Die Kooperation findet bayernweit Beachtung. Der Präsident des LSWB, einem Zusammenschluss der Steuerberater Bayerns, Steuerberater Manfred Klar, erklärte auf Anfrage: „Die OTH Regensburg und die Berufsschule Straubing leisten durch das erstklassige Studienangebot einen wichtigen Beitrag, um den Einstieg für junge Menschen in den Beruf noch attraktiver zu gestalten." Nach seiner Überzeugung steht die Steuerberatung vor tiefgreifenden Veränderungen. Vor allem angesichts der rasant fortschreitenden Digitalisierung brauche es jetzt vielseitig und gut ausgebildeten Nachwuchs. Diese Ausbildung fördert und fordert junge Menschen, so der Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Wolfgang Baier: „Bei diesem dualen Studium ist neben der Ausbildung zum Steuerberater ein volles akademisches Studium zu absolvieren. Dies fordert die Studierenden enorm und ist sicherlich nicht von allen in gleicher Weise zu leisten." Für möglichst gute Rahmenbedingungen, so ergänzt der für das Duale Studium zuständige Vizepräsident, Professor Dr. Thomas Fuhrmann, gibt es eine Vorabzulassung zum Studium. Schon vor Beginn der Ausbildung können sich Studierende um einen Platz an der OTH Regensburg bewerben, bei Zulassung können sie diesen ein Jahr später zu Studienbeginn antreten. Zudem gibt es eine Sonderquote von Studienplätzen für Dual Studierende."

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Der Kooperationsvertrag zwischen Berufsschule und OTH wurde bereits ausgestaltet (siehe Ablaufskizze) und wird in einer Woche von Schulleiter OStD Werner Kiese und dem Präsidenten der OTH Regensburg unterzeichnet.

Die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz für nächste Ausbildungsjahr kann bereits jetzt direkt bei den Kanzleien erfolgen. Die Bewerbungsfrist für den Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaftslehre an der OTH Regensburg für das Wintersemester 2018/2019 läuft vom 1. Mai bis 15. Juli 2018.

 

Ansprechpartner:

Mathias-von-Flurl-Schule

Dipl.-Hdl. (Univ.) Michael Hien, StR, Koordinator für das Duale Studium

michael.hien@bs2-straubing.de

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Straubinger Tagblatt vom 22.12.2017, S. 33

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Steuerfachangestellte zu Besuch im Finanzamt

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Das Bild zeigt die ST10 (Fachklasse für Steuerfachangestellte) der Mathias-von-Flurl-Schule mit ihrem Klassenleiter StR Michael Hien (1.v.l.) und dem Ausbildungsleiter des Finanzamts Straubing Ernst Schick (2.v.l.).

 

Auf Einladung des Ausbildungsleiters des Finanzamts Straubing, Herrn Ernst Schick besuchte die Fachklasse für Steuerfachangestellte der Mathias-von-Flurl-Schule mit ihrem Lehrer StR Michael Hien das Straubinger Finanzamt. Im Rahmen des Lehrplans ist ein Überblick über Aufbau und Arbeit der Finanzverwaltung vorgesehen. Diesen Überblick verschafften sich die angehenden Steuerfachangestellten bei einem Besuch im Straubinger Finanzamt.

Nach einer Begrüßung erfolgte ein Überblick über die Organe der bayerischen Finanzverwaltung. Oberste Behörde ist das Bayerische Staatsministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat. Die Finanzämter finden sich auf der dritten Organisationsebene. Das Finanzamt Straubing ist zuständig für alle Steuerpflichtigen im Landkreis Straubing-Bogen. Das jährliche Steueraufkommen liegt bei ca. 600 Millionen Euro. Um diesem Aufkommen gerecht zu werden, arbeiten in Straubing 180 Personen, davon sind rund ein Drittel Auszubildende. In Straubing ist die Gewinnung von Nachwuchskräften, im Vergleich zum Ballungsraum München, noch relativ einfach.

Herr Schick erläuterte anhand anschaulicher Grafiken die Bearbeitung von Kundenanliegen: von der Veranlagung über die Bewertung und Bemessung wird die Arbeit in verschiedenen Abteilungen erledigt. Im Zuge der Digitalisierung werden immer mehr Steuererklärungen elektronisch eingereicht. Die Quote liegt bei Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit bereits bei 50%. In Papierform eingereichte Steuererklärungen werden hingegen erst nach Zwiesel versandt, dort digitalisiert und dann den Mitarbeitern in Straubing zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Ab dem Veranlagungszeitraum 2017 müssen Belege nicht mehr eingereicht, sondern nur noch von den Steuerpflichtigen bei eventuell auftretenden Rückfragen vorgehalten werden. Dies ist eine deutliche Erleichterung der Arbeit in den Ämtern, da die Papierflut deutlich reduziert wird. Dazu trägt auch die Möglichkeit der „Vorausgefüllten Steuererklärung" bei, bei der Daten von Sozialversicherungsbehörden direkt in die elektronisch erstellte Steuererklärung übernommen werden können.

Eine zunehmende Bedeutung spielt der Schutz der Daten der Steuerpflichtigen. Herr Schick erläuterte, dass ein umfangreiches System aus mehreren Firewalls für Sicherheit sorgt. Zudem versendet das Finanzamt keine Daten per Mail, da dies das Steuergeheimnis verletzen würde. Ein ausführlicher Überblick über die Steuerspirale 2016 bot Gelegenheit zur Diskussion, bevor sich die angehenden Steuerfachangestellten wieder auf den Weg in den Berufsschulunterricht machten.

Michael Hien, StR

Prüfungstermine:

Abschlussprüfung Sommer 2017: 02./03.05.2017

Zwischenprüfung 2017: 13.07.2017

...über den schönsten Job und warum ein Ferrari nur 2 Euro pro Kilometer an Kosten verursachen darf

Steuerberater Ingbert Griesbauer zu Gast in der Steuerfachklasse der Mathias-von-Flurl-Schule

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Steuerberater Herr Griesbauer, StDin I. Vandieken

Steuerrecht aus der Praxis – so lautete der Titel eines ganz besonderen Nachmittags in der Steuerfachklasse 11. Auf Einladung von Fachbetreuerin StD Ingrid Vandieken und StR Michael Hien war Ingbert Griesbauer (Griesbauer Wolf Straubinger GmbH) zu Gast an der Mathias-von-Flurl-Schule. Der Steuerberater wusste sein Publikum von Anfang an zu begeistern, indem er den Schülerinnen und Schülern gratulierte, dass sie den „schönsten Beruf" gewählt haben. Dass Griesbauer selbst seine Berufung gefunden hat, zeigte er bei seinem begeisternden, fachlich fundierten und rhetorisch geschliffenen Vortrag.

Anhand verschiedener Beispiele stellte er den Gestaltungsspielraum eines Steuerberaters vor und zeigte aktuelle Urteile des BFH auf. Besonders bei Personengesellschaften führt ein ungleich geführtes Kapitalkonto häufig zu Streitigkeiten. Daher sollte die Entwicklung der Kapitalkonten der jeweiligen Partner jährlich neu vom Steuerberater mit dem Mandanten besprochen werden. Gestaltungsspielraum besteht zum Beispiel auch bei der Zuordnung eines PKW oder eines Arbeitszimmers ins Betriebs- oder Privatvermögen. Dabei ist aus Sicht von Griesbauer jeder Fall gesondert zu betrachten und zu beurteilen. Zum Schmunzeln brachte Griesbauer sein Publikum mit einem Urteil des BFH aus dem Jahr 2014. So hatte ein Tierarzt mit hohen Einkünften versucht, für seinen Ferrari Betriebsausgaben in Höhe von über 30.000 Euro anzusetzen. Dies wären Kosten in Höhe von 15 Euro pro gefahrenem Kilometer gewesen! Der BFH urteilte, dass die Kosten durch die relativ geringe betriebliche Nutzung unverhältnismäßig hoch seien und befand 2 Euro/km für angemessen.

Ein aktuelles Urteil des BFH behandelt die Einbauküche in einer vermieteten Wohnung als eigenständiges und einheitliches Wirtschaftsgut, welches abgeschrieben werden muss. Bisher waren Spüle und Herd wesentliche Gebäudebestandteile.

Weitere aktuelle Fälle wurden von Griesbauer vorgestellt und mit den Schülern diskutiert. Fachbetreuerin StD Ingrid Vandieken dankte Ingbert Griesbauer abschließend für seinen Besuch und kündigte eine Fortsetzung dieser „Praxisnachmittage" an.

StR Michael Hien

Mathias-von-Flurl-Schule

Staatliche Berufsschule II

Straubing-Bogen

Stadtgraben 54
D-94315 Straubing

 

Tel. +49 (0) 9421 23811
Fax +49 (0) 9421 23884